Mentale Stärke – Das Tor der Veränderung

Mental starke Menschen haben eine hohe intrinsische Motivation, sie stehen zu Ihren Schwächen, nutzen Ihre Stärken, setzen sich Ziele und setzen alles daran, diese auch zu erreichen. Sie wissen, was sie erreichen möchten, wie sie leben möchten und sie kennen ihr persönliches „Warum“.

Sie sehen Sinn in ihrem Tun und sie lassen sich auch bei auftretenden Schwierigkeiten nicht so leicht aus der Bahn werfen. Sie haben ein hohes Maß an Zufriedenheit. Widrigkeiten begegnen sie mit Willensstärke und sie betrachten diese als Lehrstunden auf der Übungsmatte ihres Lebens. Sie haben Tools und Strategien ihre mentale Stärke beizubehalten und auszubauen. Klingt gut, oder? Aber es klingt auch nicht einfach – denn dahinter stecken viele unterschiedliche Faktoren. Was steckt also hinter dem Konzept mentaler Stärke?

Mentales Training hat den Ursprung im Sport. Doch nicht nur Leistungssportler profitieren vom mentalen Training – auch wir können viel tun, um unsere geistigen Kräfte auszubauen, unsere Fähigkeiten gezielt zu trainieren, unsere Potenziale auszuschöpfen, um mit Selbstvertrauen und Willenskraft unser Leben zu gestalten. Es geht dabei nicht um „immer höher“, „immer weiter“ und „immer besser“, sondern um „leistungsfähig, gesund und sozial kompetent das eigene Leben zu gestalten.“

Die unterschiedlichen Faktoren mentaler Stärke haben wir auf einer Landkarte gestaltet. Sie zeigt auf, welche Einflussfaktoren es gibt und welche Stationen auf dem Weg durchlaufen werden. In künftigen Blog-Artikeln werden wir immer wieder eine Station der Landkarte näher betrachten. In diesem Artikel finden Sie Impulse zum „Tor der Veränderung“.

Inhaltsverzeichnis

Was bedeutet mentale Stärke?

„Mentale Stärke zu haben heißt, seine Gedankenkraft bewusst und eigenverantwortlich zur persönlichen Weiterentwicklung, zum Selbstmanagement und für eine positive Lebensgestaltung einzusetzen.“

 

Was mentale Stärke nicht ist.

Es gibt Menschen, die stark erscheinen, denen die äußeren Umstände nichts anhaben können. Sie teilen ihren Mitmenschen mit, dass ihnen das egal ist, dass ihnen das nichts anhaben kann. Sie scheinen wie der Fels in der Brandung und sie stapfen mit großen Schritten durchs Leben, als trügen sie spezielle Arbeitsschuhe zum Brandaustreten. Nichts kommt ihnen wirklich nahe. Und genau das ist mentale Stärke nicht. Das beschriebene Verhalten zeugt von einem Abwehrmechanismus der Verdrängung oder Verleugnung. Mentale Stärke setzt Selbstreflexion und Selbsterkenntnis und einen guten Umgang mit sich selbst voraus. Mental stark zu sein hat nichts mit „hart sein“ zu tun.

Im Gegenteil mental starke Personen nehmen ihre Gefühle an, fühlen in sich hinein und achten auf ihre Bedürfnisse.

 

Ein Beispiel aus Leistungssport

Bis 1954 galt es als unmöglich, eine Meile in vier Minuten oder weniger zu laufen. Ärzte und Wissenschaftler verschiedener Fachrichtungen gaben schlüssige Begründungen, warum dies unter keinen Umständen möglich sei. Wenn jemand die englische Meile schneller als in vier Minuten liefe, würde es das Herz nicht verkraften, auch Muskeln und Knochen könnten dieser Belastung nicht standhalten. Alle die es versuchten, scheiterten an der magischen Grenze. 1954 lief Roger Bannister als erster die “vier Minuten Meile”. In weniger als 50 Tagen nahm ihm jemand diesen Weltrekord wieder ab. Und im selben Jahr durchbrachen sogar weitere 37 Läufer diese “magische” Grenze. Roger Bannister hatte durch seine Leistung eine kollektive mentale Blockade beseitigt. Deshalb wird das Überschreiten von etwas, das als unmöglich eingestuft wurde, auch Roger-Bannister-Effekt genannt.

Im Mentaltraining wird die Gedankenkraft bewusst zur persönlichen Weiterentwicklung und positiven Lebensgestaltung genutzt.

 

Zu welchem Zweck wird Mentaltraining im Sport genutzt?

Mentaltraining wird genutzt, …

  • um Ziele klar zu setzten und zu formulieren.
  • um Erfolg zu visualisieren.
  • um sich für das Training, den Wettkampf zu motivieren.
  • um Nervosität vor und beim Wettkampf abzubauen.
  • um sich im richtigen Augenblick konzentrieren zu können.
  • um Energie, Kraft und Durchhaltevermögen zu steigern.
  • um in Wettkampfpausen Erholung zu finden.
  • um mit hohem Leistungsdruck/Erwartungsdruck umgehen zu können.
  • um einen Bewegungsablauf, eine Technik zu trainieren und zu verbessern.
  • um bei einem Wettkampf ruhig und konzentriert zu sein

 

Viele dieser Fähigkeiten können wir auch im Alltag gut gebrauchen, oder nicht?

 

New Work – die Welt von heute

Nicht nur im Arbeitsleben, sondern auch im privaten Bereich haben die meisten Menschen das Gefühl, dass die Welt von heute schnelllebiger, hektischer ist. Es müssen komplexere Aufgaben in weniger Zeit erledigt werden. Entscheidungen haben weitreichendere Folgen und häufig stehen uns zu wenig oder gegensätzliche Informationen zur Verfügung. Wir müssen uns flexibel auf Veränderungen einstellen und mit Unvorhersehbarem klar kommen.

Die Rede ist dabei oft von der sogenannten VUKA Welt. Die Begrifflichkeit bezeichnet eine zugleich komplexe und ambivalente und dabei doch höchst instabile und flüchtige Welt.

Der Begriff VUKA steht für Volatilität, Unsicherheit, Komplexität und Ambiguität.

Volatilität steht für zahlreiche, schnelle und vielfältige Veränderungen und beschreibt eine sprunghafte Schwankungsintensität in einem geringen zeitlichen Ablauf.
Unsicherheit beschreibt die Unvorhersehbarkeit von Ereignissen. So sind Planbarkeit und Prognosen für die Zukunft nur schwer möglich.
Komplexität bedeutet eine höhere Dichte an teilnehmenden Strukturen und Einflussfaktoren. So fällt es schwer, alle Wechselwirkungen und Möglichkeiten zu verstehen.
Ambiguität steht für die Mehrdeutigkeit von Informationen oder Situationen, denn häufig gibt es einen großen Interpretationsspielraum.

Die Reaktion auf die VUKA Welt ist oftmals Verunsicherung. Als Folge dessen halten Personen an bisherigen Prozessen und Gewohnheiten fest, haben Angst, dass Ihre Kompetenzen nicht mehr als ausreichend angesehen werden oder verlieren das Vertrauen in bisherige Systeme.

Mentale Stärke unterstützt dabei, mit Unsicherheiten und Druck besser umgehen zu können, Ruhe und Erholung zu bekommen, leistungsstark und mental gesund zu bleiben.

 

Die Station auf der Landkarte – Tor der Veränderung

Tor der Veränderung

Das Wissen um die Stufen der Veränderung ist wichtig, damit wir auch nachhaltig etwas verändern und unser Verhalten stabilisieren können.

Die erste Stufe ist dadurch gekennzeichnet, dass es keinen inneren Antrieb zur Veränderung gibt. Man tendiert dazu, eine bewusste Auseinandersetzung mit der Thematik zu vermeiden. Der Zustand auf der ersten Stufe könnte auch als unmotiviert bezeichnet werden. Die Situation wird als nicht änderbar abgetan. Oftmals werden die Umstände oder andere Menschen dafür verantwortlich gemacht.

Erst wenn wir merken, dass wir in diesem Zustand einen hohen Preis bezahlen, kommen wir in die zweite Stufe: Die Stufe des Bewusstwerdens. In dieser Stufe setzen wir uns bewusst mit dem Thema auseinander. Allerdings, ohne konkrete Maßnahmen vorzubereite werden. Man ist sich zwar bewusst, dass etwas verändert werden müsste, kommt aber nicht ins Handeln. Diese ersten beiden Stufen sind sehr stabil. Das bedeutet, dass wir lange in ihnen verharren können.

Die nächste Stufe ist die Stufe des Vorbereitens. Diese ist dadurch gekennzeichnet, dass wir hoch motiviert sind und unmittelbar mit der Veränderung beginnen wollen. Wir treffen also eine Entscheidung. Diese Stufe ist eine Durchgangsstufe, die durch ein hohes Maß an Entschlossenheit gekennzeichnet ist.

Im nächsten Schritt kommen wir nun ins Handeln. Wer jetzt denkt, dass nun alles erledigt ist, täuscht sich. Denn diese Stufe birgt das größte Risiko für Rückfälle in frühere Phasen.

 

Ein Beispiel:

Nehmen wir an, Sie schlafen gerne vor dem Fernseher ein, um dann um 3 Uhr morgens zerknittert vor dem Fernseher aufzuwachen und sich für die restlichen Nachtstunden ins Bett zu schleppen.

In der ersten Stufe spielen Sie Ihre Gewohnheit herunter. Sie geben Ihrem Arbeitstag die Schuld, dass sie noch Ablenkung brauchen und Sie so übermüdet sind.

In der zweiten Phase erkennen Sie an, dass es Ihnen und Ihrer Gesundheit nicht guttut. Dennoch bleiben Sie bei Ihrem bisherigen Verhalten. Irgendwann merken Sie, dass Sie tagsüber nicht mehr leistungsfähig sind und nun unbedingt etwas an Ihrer Gewohnheit verändern müssen.

In der Stufe des Vorbereitens überlegen Sie, wie Sie Ihre Gewohnheit verändern können. Sie könnten sich einen Wecker stellen, damit Sie nicht zu lange vor dem Fernseher einschlafen oder Sie könnten alternativ ein Buch lesen.

Sie gehen in die Phase des Handelns. Der Wecker klingelt und Sie stehen auf und gehen ins Bett und freuen sich, dass Ihre Strategie funktioniert. So kommen Sie, in die nächste Stufe: Diese Stufe heißt dranbleiben. Sie müssen jedes Mal daran denken, den Wecker zu stellen und dann auch wirklich aufstehen und ins Bett gehen. Denn, wenn Sie Ihren Wecker ausschalten und somit weiter vor dem Fernseher einschlafen, dann fallen Sie ein paar Stufen zurück. Häufig wird dieser Rückfall von negativen Gedanken begleitet: „Wusste ich doch, dass es nichts bringt.“, „So schlimm ist es ja auch nicht, im Fernsehsessel liege ich ja auch nicht schlecht.“

Je häufiger wir von der Stufe des Handelns in andere Stufen zurückfallen, umso schwieriger ist es, das Verhalten dauerhaft zu ändern. Deshalb ist es besonders wichtig, sich bereits im Vorfeld Strategien zur Rückfallprophylaxe zu erarbeiten.

Stellen Sie sich im Vorfeld die folgenden Fragen:

„Was kann passieren, dass ich doch nicht ins Bett gehe? Ich stelle den Wecker aus und bleibe noch sitzen.“ „Was kann ich tun, damit genau dies nicht passiert?“, etc.

Diese Fragestellungen sind im Vorfeld wichtig, denn die Antworten helfen uns, in der Stufe des Handelns positive Erfahrungen zu sammeln. Durch die „Rückfallprophylaxe“ fällt es uns leichter in die Stufe des Dranbleibens und des Stabilisierens zu kommen. Dann bestehen beste Chancen, dass das Zielverhalten beibehalten wird.

 

Nützliche Fragen für die Veränderung

  • Was müsste sich konkret verändern, damit ich innerhalb der nächsten drei Tage von mir aus den ersten Schritt in Richtung meines neuen Verhaltens gehe?
  • Welche Konsequenzen hat es für mich, wenn ich diese Situation nicht verändere?
  • Wann habe ich mich in einer ähnlichen Situation befunden und was habe ich da gemacht?
  • Wo gab es Zeiten mit Ausnahmen und was war dort anders?
  • Was müsste passieren, damit ich dauerhaft das neue Verhalten zeige?
  • Wie habe ich mich gefühlt, als ich die neue Verhaltensweise ausprobiert haben?
  • Was werde ich tun, wenn ich wieder in die alte Verhaltensweise zurückfalle?
  • Wie belohne ich mich, wenn ich es geschafft habe?

 

Viel Spaß beim Ausprobieren. Wir hoffen, dass Sie Impulse und Anregungen zum „Tor der Veränderung“ erhalten haben.

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